HR/IT Talk Episode #77

Mehr Frauen in der IT

Die IT-Branche ist Zukunftsbranche, Innovationsmotor und Herzstück der digitalen Transformation – und trotzdem sind Frauen dort noch immer deutlich unterrepräsentiert. Liegt es wirklich am fehlenden Interesse? An Mathe? An Technik? Oder stecken ganz andere Faktoren dahinter – von Sozialisation über Sichtbarkeit bis hin zur sogenannten „Confidence Gap”?


Genau hier setzen wir in dieser Folge an. Wir sprechen nicht nur über Zahlen und Studien, sondern auch über echte Erfahrungen aus Studium und Praxis. Wie fühlt es sich an, als junge Frau in einem stark technisch geprägten Umfeld zu arbeiten? Wann wird man zur „Ausnahme“ und wann ist man einfach selbstverständlicher Teil des Teams? Und was müssen Unternehmen konkret tun, damit „Frauen in der IT“ irgendwann kein eigenes Thema mehr ist?


In dieser Episode des „p78 HR/IT Talk“ sprechen Sabrina Aschenbrenner und Jörg Ehrlich mit Leonita und Sara, dualen Studentinnen der Wirtschaftsinformatik bei der Stadt München. Gemeinsam beleuchten sie ihren Studien- und Arbeitsalltag, sprechen offen über Wahrnehmung, Vorbilder und Herausforderungen und diskutieren, welche Rolle die Personalabteilung, das Recruiting und das Arbeitgeberimage dabei spielen, mehr Frauen für IT-Berufe zu begeistern.
Eine Folge über Mut, Mindset und die Frage, wie selbstverständlich Vielfalt in der IT wirklich schon ist – und was es noch braucht, damit sie es wird.

 

War IT nicht ursprünglich ein Frauenberuf?

Jörg:
Wir starten heute mit einem Mythos, den viele gar nicht kennen: IT war ursprünglich ein Frauenberuf.

Sabrina:
Tatsächlich waren die ersten Programmiererinnen Frauen. Programmieren galt früher als eine Art Büroarbeit. Beim Apollo-Programm haben Frauen die Flugbahnen berechnet, Margaret Hamilton leitete die Softwareentwicklung für die Mondlandung – und der Begriff „Computer“ bezeichnete ursprünglich Menschen, meistens Frauen.

Jörg:
Heißt also: Männer sind nicht in die IT gekommen – sie haben sie übernommen.

Sabrina:
Spannend wird es in den 80ern. 1984 lag der Frauenanteil in Informatik-Studiengängen bei rund 37 Prozent. Heute sind es etwa 20 Prozent. Ein Grund war unter anderem das Marketing: Heimcomputer wurden gezielt als Spielzeug für Jungs beworben. Wer mit Erfahrung ins Studium kam, galt als talentiert. Wer diese Erfahrung nicht hatte, als weniger geeignet.

Jörg:
Also nicht Biologie hat die IT männlich gemacht – sondern gesellschaftliche Prägung.

Sabrina:
Genau. Und hinzu kommt die sogenannte „Confidence Gap“: Frauen bewerben sich oft erst, wenn sie nahezu alle Anforderungen erfüllen – Männer häufig schon bei etwa der Hälfte.

Jörg:
Und genau darüber sprechen wir heute mit unseren Gästen Leonita und Sara, duale Studentinnen der Wirtschaftsinformatik bei der Stadt München.

Vorstellung: Wer seid ihr?

Leonita & Sara:
Wir sind beide 22 Jahre alt und studieren dual Wirtschaftsinformatik bei der Stadt München in Kooperation mit der FOM. Aktuell sind wir im vierten Semester.

Dieses Semester arbeiten wir in sehr technischen Bereichen:

  • Leonita im Bereich Container Application Plattform (CAP) – mit Fokus auf containerisierte Anwendungen und moderne Infrastruktur.

  • Sara im Linux-Team – mit Themen rund um Systeme, Automatisierung und technische Prozesse.

Unser Studium kombiniert Theorie und Praxis:
Montag und Dienstag sind wir an der Hochschule, Mittwoch bis Freitag in unseren jeweiligen Fachabteilungen. Dadurch können wir Inhalte direkt anwenden und reflektieren.

IT-Studium dual: Theorie trifft Praxis

Das duale Studium bietet eine enge Verzahnung zwischen Hochschule und Arbeitsalltag. Neben Vorlesungen schreiben die Studentinnen monatliche Praxisberichte, tauschen sich mit erfahrenen Kolleg:innen aus und vertiefen Inhalte direkt im Projektkontext.

Sara:
„Man versteht Inhalte viel besser, wenn man sie direkt im Job anwenden kann.“

War IT euer ursprünglicher Plan?

Sara:
Eigentlich wollte ich Psychologie studieren. Während des Abiturs habe ich aber gemerkt, dass mir logische und technische Aufgaben mehr liegen. Heute finde ich die Kombination aus Technik und Menschen besonders spannend.

Leonita:
IT war auch bei mir nicht von Anfang an der Plan. Besonders bei der Stadt München habe ich gemerkt, wie vielfältig IT wirklich ist. Es geht nicht nur ums Programmieren. IT besteht aus vielen Disziplinen – von Security über Datenbanken bis hin zu Infrastruktur.

Frauen in der IT: Wie nehmt ihr den Frauenanteil wahr?

Der Frauenanteil in technischen Studiengängen und IT-Abteilungen ist weiterhin gering.

Sara:
In meinem Jahrgang sind wir 22 Studierende – davon nur 7 Frauen. In meiner Abteilung sind wir 20 Personen, nur die Teamleitung und ich sind Frauen.

Leonita:
In sehr technischen Teams war ich häufig die einzige Frau. In verwaltungsnahen Bereichen ist der Anteil höher. Man merkt also deutlich, wie stark das Umfeld geprägt ist.

Beide betonen jedoch:
Sie erleben Offenheit, Unterstützung und ein respektvolles Arbeitsklima.

Ausnahme oder selbstverständlicher Teil des Teams?

Sara:
Am Anfang war es ungewohnt, oft in der Minderheit zu sein. Aber ich wurde von Anfang an gut aufgenommen. Heute fühle ich mich nicht als Ausnahme, sondern als wertvoller Teil des Teams.

Besonders motivierend:
Sichtbare weibliche Führungskräfte – etwa Teamleitungen oder die IT-Referentin der Stadt München.

Herausforderungen im Arbeitsalltag

Große Konflikte gab es bisher nicht. Die größten Herausforderungen lagen eher im fachlichen Bereich:

  • Komplexität realer IT-Systeme

  • Verständnis für unterschiedliche Lösungswege

  • Mut, Fragen zu stellen

  • In Meetings als Studentin ernst genommen zu werden

Leonita:
„Ich habe gelernt, dass Fehler dazugehören und man daran wächst.“

Arbeitsumfeld & Lernkultur

Beide beschreiben die Zusammenarbeit in ihren Teams als:

  • offen

  • hilfsbereit

  • respektvoll

  • lernorientiert

Der größte Lerneffekt entsteht durch praktische Aufgaben, eigenständiges Arbeiten und konstruktives Feedback.

Wie wird man auf ein duales IT-Studium aufmerksam?

Ausschlaggebend waren für beide:

  • Kombination aus Theorie und Praxis

  • Finanzielle Sicherheit

  • Wechselnde Praxisstationen

  • Gute Übernahmechancen

  • Entwicklungsmöglichkeiten

Herausforderungen sind hingegen:

  • Hohe Doppelbelastung

  • Weniger klassisches Studentenleben

  • Keine Semesterferien

Insgesamt überwiegen klar die Vorteile.

Employer Branding: Wie sollten Unternehmen Frauen in der IT ansprechen?

Leonita:
Das Thema sollte sichtbarer sein – aber ermutigend statt belehrend. Es geht nicht um „Ihr müsst“, sondern um „Ihr könnt“.

Wichtig sind:

  • Sichtbare weibliche Vorbilder

  • Frauen in Führungspositionen

  • Authentische Einblicke in den Arbeitsalltag

Sara ergänzt:
Karriereseiten sollten echte Einblicke bieten – keine reinen Werbetexte.
Wichtig sind transparente Infos zu:

  • Aufgaben

  • Entwicklungsmöglichkeiten

  • Arbeitsmodellen

  • Erfahrungsberichten von Studierenden

Wird „Frauen in der IT“ irgendwann selbstverständlich?

Beide glauben: Ja.

Initiativen wie:

  • Girls’ Day

  • Schulbesuche

  • Schnupperpraktika

  • Sichtbare Role Models

können langfristig dazu beitragen, den Frauenanteil in der IT zu erhöhen.

Leonita:
„Je sichtbarer Frauen in der IT werden, desto selbstverständlicher wird es.“

Rat an junge Frauen, die über ein IT-Studium nachdenken

Sara:

  • Traut euch.

  • IT ist kein Männerbereich.

  • Man muss kein Mathe-Genie sein.

Leonita:

  • Redet eure Fähigkeiten nicht klein.

  • Fehler gehören dazu.

  • Vergleiche bringen nichts.

  • Wenn es dich interessiert: Mach es.

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