HR/IT Talk Episode #77

Mehr Frauen in der IT

Die IT-Branche ist Zukunftsbranche, Innovationsmotor und Herzstück der digitalen Transformation – und trotzdem sind Frauen dort noch immer deutlich unterrepräsentiert.Liegt es wirklich am fehlenden Interesse? An Mathe? An Technik? Oder stecken ganz andere Faktoren dahinter – von Sozialisation über Sichtbarkeit bis hin zur sogenannten „Confidence Gap”?
Genau hier setzen wir in dieser Folge an. Wir sprechen nicht nur über Zahlen und Studien, sondern auch über echte Erfahrungen aus Studium und Praxis. Wie fühlt es sich an, als junge Frau in einem stark technisch geprägten Umfeld zu arbeiten? Wann wird man zur „Ausnahme“ und wann ist man einfach selbstverständlicher Teil des Teams? Und was müssen Unternehmen konkret tun, damit „Frauen in der IT“ irgendwann kein eigenes Thema mehr ist?
In dieser Episode des „p78 HR/IT Talk“ sprechen Sabrina Aschenbrenner und Jörg Ehrlich mit Leonita und Sara, dualen Studentinnen der Wirtschaftsinformatik bei der Stadt München. Gemeinsam beleuchten sie ihren Studien- und Arbeitsalltag, sprechen offen über Wahrnehmung, Vorbilder und Herausforderungen und diskutieren, welche Rolle die Personalabteilung, das Recruiting und das Arbeitgeberimage dabei spielen, mehr Frauen für IT-Berufe zu begeistern.Eine Folge über Mut, Mindset und die Frage, wie selbstverständlich Vielfalt in der IT wirklich schon ist – und was es noch braucht, damit sie es wird.

Mehr Frauen in der IT

 

Jörg

Hey Sabrina, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber so ein bisschen bin ich schon aufgeregt.

Denn für alle, die das nicht mitbekommen haben: Ihr müsst nochmal die letzte Folge hören. Es gab eine Übergabe des Staffelstabs von Michael Schäffler, der diesen Podcast bisher moderiert hat, an uns zwei. Du stellst dich ja gleich nochmal ein bisschen vor, weil es schon länger her ist, dass du hier im Podcast warst. Ich hatte mich in der letzten Folge schon ein bisschen vorgestellt: Ich bin Jörg, Jörg Ehrlich, bin Solution Architekt bei uns bei P78 und darf zusammen mit Sabrina diesen Podcast jetzt als Podcast-Duo übernehmen. Ich freue mich da wahnsinnig drauf und vielleicht sagst du noch was zu dir.

Sabrina

Danke, Jörg. Ich freue mich auch riesig, dass wir gemeinsam den Podcast geerbt haben und die Ehre haben, das jetzt zusammen weiterzuführen. Ich freue mich auf ganz viele spannende Folgen mit ganz vielen tollen Gästen.

Jetzt mal kurz noch zu mir: Wer bin ich, für diejenigen, die mich noch nicht kennen? Ich bin Sabrina Aschenbrenner. Vielleicht ganz kurz zu meinem Namen: Einige aus dem SAP- oder HRIT-Umfeld kennen mich vielleicht noch unter meinem alten Namen, Sabrina Flach. Ich war nämlich ein Jahr in Elternzeit, und in dem Jahr ist viel passiert. Ich habe ein Kind bekommen, ich habe geheiratet und dadurch auch einen neuen Namen. Daher nun Aschenbrenner, aber immerhin habe ich noch den gleichen Job.

Ich bin jetzt seit mittlerweile sechs Jahren bei der P78 und von Anfang an für das ganze Thema Marketing und Kommunikation verantwortlich. Ich habe in der Zeit einige Kundenprojekte im Rahmen von SAP SuccessFactors Recruiting begleiten dürfen, im Sinne von Karriereseitenprojekten und Employer-Branding-Projekten, und habe da ganz viele spannende Insights sammeln dürfen.

Privat noch zu mir: Ich lebe in München und wenn ich nicht gerade arbeite oder Mama bin, dann versuche ich, mich sportlich zu betätigen oder auszutoben. Ich mache Tennis, ich gehe Skifahren, snowboarden, mache Pilates, Padel – eigentlich alles, was Bewegung und Spaß macht. Und jetzt freue ich mich riesig, wieder zurück zu sein und zum Start direkt die Ehre zu haben, die ersten Podcast-Folgen für unseren HRIT Talk aufzunehmen.

Jörg

Danke dir. Ich mache übrigens auch gern Sport und mein Traum ist noch, dass wir irgendwann mal einen Podcast-Gast haben, mit dem wir ein bisschen über Sport sprechen können. Vielleicht kriegen wir das ja hin?

Sabrina

Das wäre toll. Also: Wir nehmen Bewerbungen an. Her damit.

Jörg

Aber heute geht es um Frauen in der IT. Mehr Frauen in der IT. Wir sind in der IT, wir haben auch Frauen, wir werden immer mehr Frauen – das freut mich natürlich auch. Auf jeden Fall ein spannendes Thema. Ich glaube, du hast ein bisschen recherchiert zu dem Thema, oder?

Sabrina

Tatsächlich habe ich mich ein bisschen informiert. Und es war tatsächlich so, dass in den 1940er- bis 1960er-Jahren IT beziehungsweise Programmieren nicht für besonders schwierig gehalten wurde und damals auch sehr viele Frauen in dem Beruf waren. Es war eine klassische Büroarbeit.

Mit den 1980ern kam dann der drastische Einbruch, sodass die Zahl der Frauen in der IT enorm abgenommen hat. Da fragt man sich natürlich: Warum? Woher kommt das? Und da kann ich sagen: Der Grund liegt wahrscheinlich im Marketing. Denn der Einbruch der Frauen in der IT korreliert exakt mit dem Aufkommen des Heimcomputers. Und der Heimcomputer wurde damals als Spielzeug für Jungs vermarktet.

Jungen kamen somit sehr stark mit Programmieren in Berührung und dann auch schon mit Programmiererfahrung ins Studium. Professoren nahmen das dann eben als Talent wahr, und somit galten Frauen plötzlich als nicht interessiert. Dabei war das tatsächlich gar nicht so.

Abschließend würde ich sagen: Nicht die Biologie, sondern die Werbung hat die IT männlich gemacht. Marketing war quasi dran schuld. Zum Glück arbeitet hier niemand im Marketing.

Jörg

Aber so viel zu dem Thema. Ich glaube, das ist eine ganz gute Einleitung, um darüber auch mit unseren Gästen zu sprechen, nämlich mit Leonita Ramadani und Sarah Kraina. Die beiden sind Studentinnen bei der Stadt München, studieren dual Wirtschaftsinformatik, und mit ihnen würden wir gerne zu dem Thema ein bisschen quatschen.

Vorab noch kurz ein Hinweis in eigener Sache: Aus Gründen der besseren Verständlichkeit – oder weil wir es manchmal einfach vergessen – verwenden wir im Podcast teilweise die männliche oder weibliche Form. Selbstverständlich sind dabei immer alle Geschlechter gleichermaßen gemeint. Unsere Inhalte verstehen sich ausdrücklich als genderneutral und inklusiv.

Sehr schön, dass ihr da seid, Sarah und Leonita, und dass ihr Lust habt, mit uns diese erste Folge in diesem neuen Setting aufzunehmen. Wir freuen uns sehr, von euch zwei jungen Frauen heute aus erster Hand zu erfahren, wie es denn so ist oder wie es sich anfühlt, als junge Frauen in der IT zu arbeiten.

Vielleicht zu Beginn, bevor wir direkt reinstarten: Stellt euch doch einfach mal ganz kurz vor. Wer seid ihr, was macht ihr, was studiert ihr und wo seid ihr aktuell in eurem Praxisteil eingesetzt?

Leonita

Hi auch von uns, ich bin Leonita. Wir freuen uns sehr, dabei zu sein. Kurz zu uns: Wir sind beide 20 Jahre alt, studieren Wirtschaftsinformatik, den Bachelor of Science dual bei der Stadt München in Kooperation mit der FOM, also der Hochschule für Ökonomie und Management, die sehr zentral am Hauptbahnhof gelegen ist und berufsbegleitende Studiengänge betreut.

Der Studiengang ist speziell für die Stadt München konzipiert, also wirklich praxisnah und auf die Verwaltung ausgerichtet. Aktuell sind wir im vierten Semester angekommen und in ziemlich technischen Abteilungen eingesetzt, was für uns super spannend ist.

Ich selbst bin zum Beispiel im Bereich CAP, also der Container Application Platform, und beschäftige mich dort viel mit containerisierten Anwendungen und moderner Infrastruktur. Das heißt, ich arbeite viel mit Themen rund um Cloud-Plattformen und wie Anwendungen technisch betrieben werden. Was ich besonders spannend finde: Man merkt einfach, wie breit gefächert IT ist. Es ist nicht nur Programmieren, sondern viel mehr – Architektur, Prozesse, Zusammenarbeit, Sicherheit und Technik.

Sarah

Ich bin Sarah und ich arbeite aktuell im Linux-Team und beschäftige mich dort mit Systemen, Automatisierung und verschiedenen technischen Prozessen. Meine Abteilung gehört gemeinsam mit der von Leonita zu einer übergeordneten Einheit, weshalb unsere Teams sehr eng miteinander verbunden sind. Dadurch bekomme ich viel aus den Nachbarbereichen mit und kann mich auch regelmäßig mit Kollegen und Kolleginnen austauschen.

Insgesamt liegt in diesem Semester für mich ein starker technischer Schwerpunkt vor, der durch viel Praxisbezug und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Teams geprägt ist.

Jörg

Cool, danke ihr zwei. Ihr habt ja gesagt, ihr studiert dual. Wir bei uns in der Firma haben auch duale Studenten, daher kenne ich das ein bisschen. Ich weiß, dass es da immer Unterschiede gibt. Wie ist das bei euch mit dem Praxisteil und dem Theorie-Teil? Wie sieht das genau aus? Wie kann man sich das vorstellen?

Sarah

Also was unseren Uni-Alltag angeht: Wir haben montags und dienstags Uni, da sind wir an der Hochschule. Wir haben meistens zwei Vorlesungen pro Tag und in der Regel auch zwei unterschiedliche Fächer, wodurch es extrem abwechslungsreich ist und nicht so trocken.

Die Tage von Mittwoch bis Freitag sind wir dann in der Arbeit, also quasi in unseren Praxisabteilungen eingeteilt. Ich persönlich finde diese Mischung aus Theorie und Praxis besonders wertvoll, weil man vieles direkt im Job anwenden kann. Man versteht die Inhalte dadurch viel besser und reflektiert regelmäßig in unseren Praxisbereichen, was wir gelernt haben. Dadurch merkt man eben auch den eigenen Fortschritt sehr gut.

Jörg

Danke dir. Was mich interessieren würde, ist, wie ihr in die IT gekommen seid. Ich kenne das von mir: Ich hatte eigentlich nie wirklich den Wunsch, in die IT zu gehen, bin aber doch irgendwie auf Umwegen hier gelandet. Von daher: Wie war das bei euch? War schon immer euer Plan, in die IT zu gehen, oder hat sich das einfach so ergeben?

Leonita

Da kann ich mich dir nur anschließen. IT war für mich nicht von Anfang an der Plan. Ursprünglich wollte ich eigentlich Psychologie studieren und habe dafür auch mein Abi an der sozialen FOS nachgeholt. Aber während dieser Zeit habe ich einfach gemerkt, dass Psychologie zwar sehr interessant ist, mir persönlich aber doch zu theoretisch war.

Ich habe dann gemerkt, dass Mathe, logisches Denken und IT-Aufgaben mir einfach mehr liegen. Gerade bei technischen Themen hatte ich viele Erfolgserlebnisse. Aus dem Interesse an Menschen und Technik heraus hat sich das dann entwickelt. Meine Entscheidung für die IT fühlt sich gerade total richtig an.

Sarah

Ehrlich gesagt war IT ursprünglich auch gar nicht mein Plan, das hatte sich eher unterwegs ergeben. Besonders die Stadt München hat mir gezeigt, wie breit und vielfältig IT wirklich ist. Es ist eben nicht dieses Hardcore-Programmieren, das man sich immer vorstellt, wenn man an IT denkt, sondern es gibt unglaublich viele unterschiedliche Bereiche, die alle miteinander vernetzt sind, und so entsteht IT als Ganzes.

Ich vergleiche das ganz gerne mit der Medizin. Es gibt ja auch nicht den einen allwissenden Arzt, sondern viele Fachärzte, die zusammenarbeiten. Genauso ist es auch in der IT: Verschiedene Expertisen greifen ineinander und bilden quasi die IT. Genau das macht das Ganze für mich besonders spannend, flexibel und zukunftsoffen, weil ich einfach weiß: Ich kann mich später in unendlich viele Richtungen weiterentwickeln und muss mich jetzt noch nicht damit befassen, wo ich später arbeiten möchte.

Sabrina

Ja, sehr schön. Total schöner Vergleich, den du da auch gezogen hast. Wir können das ja eben, wie Jörg auch schon gesagt hat, von uns oder von mir auch behaupten: Ich bin ja auch in der IT gelandet, auf Umwegen, und finde es einfach super spannend, das ganze Umfeld und dann auch noch IT und HR zu verbinden.

Ihr habt jetzt schon so ein bisschen erklärt, wie euer Praxis- und Studiumsalltag ausschaut, aber wir haben noch nicht konkret erfahren, was ihr eigentlich genau bei der Landeshauptstadt München macht.

Sarah

Mein Alltag unterscheidet sich, je nachdem, ob ich Homeoffice habe oder im Büro arbeite. Ich habe sehr flexible Arbeitszeiten mit einer Gleitzeit von 6 bis 9:30 Uhr. Dadurch kann ich morgens anfangen, wann es für mich passt, was den Alltag sehr entspannt macht und für mich persönlich gut planbar ist. Das ist echt wichtig, wenn man nebenbei noch studiert und auch Zeit für private Dinge oder zum Beispiel für Sport haben möchte.

Fast jeden Morgen starte ich mit Team-Meetings. Dort organisieren wir einfach die nächsten Aufgaben, besprechen aktuelle Themen und klären offene Fragen. Ich habe auch einen ganz festen Ausbilder, der sich konkret um mich kümmert und mir vieles Schritt für Schritt zeigt, weil ich in vielen Themen noch nicht richtig drin bin. Aber das ist überhaupt nicht schlimm. Das war für mich gerade am Anfang sehr wichtig, weil jede Abteilung einfach anders arbeitet und ich so immer eine direkte Ansprechperson habe.

Jörg

Ihr habt ja schon ein bisschen erzählt, wo ihr eingesetzt seid. Ich glaube, Leonita, bei dir war es Container Application Platform, wenn ich das richtig gemerkt habe. Vielleicht könnt ihr noch mal erzählen, in welchen Stationen ihr schon wart, was es da für mehrere gab und was ihr im IT-Referat kennengelernt habt.

Leonita

Bei uns ist es so, dass wir quasi alle sechs Monate unsere Praktikumsstelle wechseln, um so viele Tätigkeitsfelder wie möglich kennenzulernen. Und auch während eines Praktikumsabschnitts ist es so, dass wir weitere Einblicke in andere Abteilungen bekommen können, um Zusammenhänge besser zu verstehen. Wenn ich zum Beispiel mit dem Thema meiner Abteilung nicht so gut klarkomme, dann kann ich auch in eine Nachbarabteilung reinschnuppern, um das Thema meiner Abteilung besser zu verstehen.

Im ersten Semester, also in meiner ersten Station, war es sehr technisch. Ich war in einem Team mit fünf Männern, ich war sozusagen die einzige Frau. Dort haben wir Servicearchitektur gemacht, also quasi Grundlagen zum Aufbau und zur Struktur von IT-Services und stadtinternen Servern.

In meiner zweiten Station war ich dann im Bereich Smart City und Open Government. Dort war der Frauenanteil deutlich höher, die Atmosphäre etwas weniger technisch, dafür stärker verwaltungsgeprägt. Wir hatten dort Projekte mit Bezug zur Digitalisierung der Stadt und Smart City.

Trotzdem habe ich insgesamt eher positive Erfahrungen gemacht, auch jetzt im CAP-Team. Es gibt viel Offenheit und Unterstützung. Ich denke aber, dass ein Mindset-Wandel wichtig ist, also dass sich mehr Menschen für MINT-Fächer interessieren sollten und sich auch für IT-Ausbildungen oder Studiengänge bewerben sollten.

Sabrina

Gab es von den ganzen Stationen, die du jetzt aufgezählt hast, irgendeine, die dir besonders getaugt hat? Oder eine, wo du auch gemerkt hast: Da kann ich jetzt nicht so viel mit anfangen? Oder etwas, das du bis zum Ende deiner beruflichen Laufbahn machen möchtest?

Leonita

Tatsächlich ist es so, dass die Stationen zwar Gemeinsamkeiten haben, aber auch sehr abwechslungsreich sind. Ich habe aus jeder Station positive Sachen mitgenommen.

Aus der ersten Station konnte ich direkte Berührungspunkte mit der IT bekommen. Ich hatte davor wirklich null Erfahrungen mit IT. Ich habe dort zum ersten Mal kennenlernen dürfen, was überhaupt ein Server ist, wie ein Service funktioniert und wie das alles backstage abläuft. Das waren so die positiven Erfahrungen aus der ersten Stelle.

Aus der zweiten Stelle war es richtig cool, auch mal die andere Sicht der Verwaltung zu sehen. Ich meine, unser Studiengang ist ja nicht rein Informatik, sondern Wirtschaftsinformatik. Daher ist es auch wichtig, den wirtschaftlichen sowie den Verwaltungsaspekt kennenlernen zu dürfen.

Und jetzt in meiner jetzigen Stelle bin ich auch mega zufrieden. Das ist auch wieder etwas Technisches. Ich merke da auch, dass ich auf jeden Fall viel mehr Verantwortung übernehmen kann und mir selbstständiges Arbeiten gelingt. Gerade weil ich davor, wie gesagt, nicht so viele IT-Berührungspunkte hatte, ist das jetzt auf jeden Fall schon wesentlich besser.

Sabrina

Super, danke dir, Leonita. Sehr spannend tatsächlich.

Du hattest jetzt auch schon vorhin ein bisschen Einblicke gegeben, wie hoch der Frauenanteil bei euch in der IT in den diversen Abteilungen ist. Und es würde uns natürlich jetzt auch brennend interessieren: Wenn ihr euch bei euch im Studium umschaut, wie ist denn da der Frauenanteil in der IT oder wie nehmt ihr ihn wahr?

In unserer Intro haben wir ja auch schon gesagt, dass maximal 20 Prozent Frauen IT-Studiengänge wählen. Könnt ihr das so bestätigen oder wie sieht es bei euch aus?

Sarah

Bisher habe ich leider nur Bereiche kennengelernt, in denen es deutlich weniger Frauen gab. Das merke ich sowohl im Studium als auch im Job. In meinem aktuellen Studienjahrgang sind wir 20 Studierende, und davon sind wir sieben Frauen. Und zum Beispiel in meiner jetzigen Abteilung sind wir 20 Personen, und nur die Teamleitung und ich sind Frauen.

Sabrina

Wow, das ist ein Wort. Leonita, magst du deine Sicht der Dinge teilen? Wie du den Frauenanteil in der IT wahrnimmst?

Leonita

Tatsächlich auch so wie Sarah, da schließe ich mich komplett an. Ich erlebe es auch als einen sehr geringen Frauenanteil. Ich habe gerade eben schon kurz erwähnt: In meiner ersten Praktikumsstelle war ich mit fünf Männern die einzige Frau in der Abteilung. In der zweiten Station, dadurch dass sie weniger technisch und dafür eher verwaltungslastig war, hat man auf jeden Fall mehr Frauenpower gespürt. Wir waren, glaube ich, zu viert oder zu fünft Frauen in der Abteilung und es war auf jeden Fall harmonisch.

Und in der jetzigen Stelle bin ich auch wieder in einem Männerteam drin. Wie gesagt: Es ist wirklich super offen, ich bekomme rundum Unterstützung. Aber auch ich würde mir natürlich mehr Frauen in der Abteilung oder generell im IT-Referat wünschen, einfach um ein bisschen mehr Frauenpower zu spüren.

Sabrina

Das glaube ich. Aber das Wichtigste ist ja Harmonie und Support, und das ist schon mal ganz toll, dass es gegeben ist.

Da stellt sich in mir jetzt noch besonders die Frage: Bei dir war es ja schon ein bisschen besser als bei Sarah vom Frauenanteil her, zumindest in einer Station. Aber wie ist es für euch vom Gefühl her? Fühlt ihr euch da eher als Ausnahme oder wirklich als Teil des Teams?

Sarah

Am Anfang des Studiums war es für mich schon manchmal ungewohnt, wenn man natürlich merkt, dass man oft in der Minderheit ist. Die Situation war erst ein bisschen komisch für mich, aber die Kollegen haben mich nicht ausgeschlossen, sondern ich wurde von Anfang an gut mit ins Team aufgenommen. Dadurch habe ich mich dann eigentlich schon von Anfang an wohlgefühlt.

Mit der Zeit habe ich mich auch irgendwo daran gewöhnt und denke heute kaum noch darüber nach in meinem Alltag. Mittlerweile weiß ich auch, dass ich keine Ausnahme bin, sondern ein ganz normaler und vielleicht auch gewinnbringender Teil des Teams. Ich werde genauso ernst genommen wie alle anderen auch.

Besonders wichtig ist für mich zu sehen, dass es auch Frauen in Führungsrollen gibt. Zum Beispiel, wie ich vorhin erwähnt habe, ist in meinem Team die Teamleitung eine Frau, was ja auch eine coole Position ist in so einem eher männlich abgestempelten Themenbereich. Oder zum Beispiel die IT-Referentin des IT-Referats, Frau Dr. Laura Dornheim. Das gibt mir halt auch Motivation und Selbstvertrauen, dass das definitiv auch ein Thema für Frauen sein kann.

Jörg

Ich kenne als Mann diese Situation natürlich nicht ganz so, aber ich kann mir vorstellen, dass man sich, wenn man irgendwo in der Minderheit ist oder nicht so repräsentiert ist, manchmal behaupten muss und dass das ein bisschen challenging sein kann.

Daher die Frage: Gab es Situationen, in denen ihr euch irgendwie besonders behaupten musstet oder die euch überrascht haben? Fällt euch da irgendwas ein?

Leonita

Ehrlich gesagt hatte ich bisher keine richtig großen Konfliktmomente im klassischen Sinne. Ich wurde in meinen Teams eigentlich immer gut aufgenommen und respektvoll behandelt, was mir extrem wichtig war.

Trotzdem gibt es natürlich Situationen, die herausfordernd sind, vor allem am Anfang. Was mich zum Beispiel überrascht hat, war, wie komplex echte IT-Systeme in der Praxis sind. In der Uni hat man oft Modelle oder vereinfachte Beispiele, aber in der echten Arbeitswelt merkt man erst, wie viele Komponenten zusammenspielen, wie viel Abstimmung nötig ist und wie schnell Dinge voneinander abhängen.

In solchen Momenten muss ich mich dann schon ein bisschen behaupten, also nachfragen, dranbleiben und auch zeigen, dass ich bereit bin, mich reinzudenken. Insgesamt habe ich aber gemerkt, dass man damit nicht alleingelassen wird und Unterstützung bekommt, wenn man sie braucht. Dafür muss man einfach nur nachfragen.

Ich bin generell von Natur aus eher ein Mensch gewesen, der sehr zurückhaltend war, bevor ich in das Studium gekommen bin. Nachfragen war für mich wirklich eine Hürde, die ich erst überwinden musste. Aber mittlerweile fällt es mir wirklich leicht, weil ich weiß: Nachfragen ist eine der natürlichsten Sachen der Welt. Einfach nur abwarten bringt nichts. Wenn man weiterkommen will, kurz nachfragen – und dann kriegt man auch direkt eine Antwort, Unterstützung und alles, was man braucht.

Jörg

Absolut. Und Sarah, wie war das bei dir?

Sarah

Für mich war es am Anfang ungewohnt, weil ich in Meetings als Studentin irgendwo ernst genommen werden wollte und meine Meinung äußern wollte. Da war es auch ein bisschen komisch zu sagen: Okay, ich verstehe das doch noch nicht, ich muss das vielleicht noch lernen und ich muss da noch reinkommen.

Aber mich hat wirklich positiv überrascht, wie hilfsbereit die Kolleginnen und Kollegen sind und dass niemand erwartet hat, dass ich schon alles kann. Ich musste mich noch nie irgendwie genau deswegen behaupten, weil ich eine Frau bin. Ich habe bis jetzt wirklich nur positive Erfahrungen gemacht.

Sabrina

Sehr schön. Ich würde gerne ein bisschen auf das Thema Arbeitsumfeld oder Kultur allgemein eingehen. Ihr seid ja bei der Stadt München, also in einer öffentlichen Verwaltung, die manchmal auch so ein bisschen den Ruf hat, etwas angestaubt zu sein, was die Arbeitskultur angeht.

Wie erlebt ihr das? Wie läuft so eine Zusammenarbeit ab, einfach in den Teams, in denen ihr aktuell wart?

Leonita

Insgesamt erlebe ich die Zusammenarbeit in meinen Teams als sehr offen und hilfsbereit. Kolleginnen und Kollegen nehmen sich ständig Zeit für Fragen, Probleme werden gemeinsam gelöst und auch Kommunikation spielt eine extrem große Rolle bei der Stadt.

Wir haben beispielsweise regelmäßige Team-Meetings, aber auch zwischendurch viel Austausch, besonders wenn wir im Büro sind. Aber auch im Homeoffice setzen wir uns immer wieder zusammen, callen uns und besprechen Dinge. In meiner aktuellen Abteilung haben wir zum Beispiel ein regelmäßiges Team-Meeting, das jeden Mittwoch stattfindet. Da gehen wir durch, an welchen Aufgaben jeder gerade sitzt und wo es vielleicht gerade ein bisschen hakt.

Was mir besonders positiv auffällt, ist, dass ich wie ein vollwertiges Teammitglied behandelt werde und meine Meinung auch ernst genommen wird und ich mich aktiv einbringen darf. Ich durfte zum Beispiel in der jetzigen Station quasi ein ganzes Projekt mehr oder weniger auf die Beine stellen, bei dem wir die Kommunikation und das Wir-Gefühl zwischen den Kunden und unserem Team stärken wollten.

Wir haben dafür eine Umfrage gestartet, um Feedback von unseren Kunden einzuholen. Danach durfte ich Maßnahmen daraus ableiten und versuchen, diese umzusetzen. Und jetzt sitzen wir gerade immer noch dran, diese Maßnahmen umzusetzen. Ich weiß, dass ich, wenn ich später in einer anderen Station bin und irgendwann wieder auf diese Maßnahmen komme oder mit ihnen in Berührung komme, sagen kann: Okay, ich war ein Teil davon. Ich war bei der Umsetzung dabei. Das gibt mir persönlich schon ein bisschen Gänsehaut, muss ich zugeben. Gerade als Nachwuchskraft diese Ehre zu haben, ist halt wirklich wertschätzend.

Jedes Team arbeitet ein bisschen anders – manche strukturierter, manche lockerer – aber überall herrscht ein respektvoller Umgang und zwischenmenschlich fühle ich mich einfach sehr, sehr wohl und gut integriert.

Sabrina

Das ist sehr schön zu hören. Und absolut: Da kannst du sehr stolz auf dich sein, dass du dieses tolle Projekt so mit voranbringst. Klingt sehr, sehr spannend tatsächlich, und ich denke, da lernt man natürlich auch super viel, gerade in so großen Projekten.

Da komme ich auch direkt zu meiner Frage, die uns noch brennend und wahrscheinlich auch unsere Zuhörerinnen interessiert: Wie lernt ihr denn im Job am besten oder am meisten? Und was hilft euch dabei, euch letztendlich selbst weiterzuentwickeln? Oder wer hilft euch dabei?

Sarah

Bei mir ist es auf jeden Fall so: Am meisten lerne ich durchs praktische Arbeiten. Das geht wahrscheinlich vielen so. Ich muss an echten Aufgaben arbeiten, statt nur ständig Theorie zu pauken. Vieles aus der Hochschule kann ich direkt in der Praxis anwenden, was echt cool ist.

Besonders hilfreich ist auch mein Ausbilder, den ich vorhin schon ein bisschen erwähnt habe. Der ist wirklich für mich da, erklärt mir Themen geduldig – was oft nötig ist – und gibt mir passende Aufgaben sowie die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und auch ein Thema vielleicht fünfmal durchzugehen.

Ich habe auch wirklich nie Angst nachzufragen, weil ich weiß, dass von mir niemand erwartet, dass ich schon alles kann oder alles weiß. Das kommt einfach mit der Zeit. Auch die Zusammenarbeit im Team ist extrem wichtig für mich. Wir sprechen gemeinsam über Lösungen, über Feedback freue ich mich natürlich auch immer und es bringt mich einfach weiter. So kann ich mich weiterentwickeln, und es ist einfach cool zu sehen, dass man so viel kombinieren kann aus Hochschule und Praxis und dass man dabei so unterstützt wird.

Sabrina

Klingt auf jeden Fall nach einem sehr angenehmen Arbeitsumfeld. Leonita, magst du auch noch gerne deine Sicht darauf teilen?

Leonita

Also neben den fachlichen Aufgaben habe ich mich auch persönlich stark weiterentwickelt. Wie ich gerade auch schon gesagt habe: Früher war ich eher zurückhaltend, habe aber durch das Studium und die Praxis viel mehr Selbstbewusstsein gewonnen.

Ich wiederhole es auch immer gerne: In den Einsatzstellen wurde ich immer herzlich empfangen. Dadurch habe ich mich getraut, mutig Dinge auszuprobieren. Ich habe aber auch gelernt, dass Fehler dazugehören und man eben daraus wächst.

Dadurch, dass ich auch erste Erfahrungen im Projektmanagement gesammelt habe und in meiner vorherigen Stelle schon Meetings mit moderiert und vor großen Gruppen gesprochen habe – was davor wirklich für mich ein Kampf war und was ich mich früher nicht einfach so kurz mal getraut hätte – habe ich, wie gesagt, viel mehr Selbstbewusstsein gewonnen. Und ja, darauf bin ich ein bisschen stolz.

Und dass ich das aus dem Studium mitnehmen darf, ist halt ein besonderer Jackpot für mich gewesen.

Sabrina

Toll, das kannst du auch sein, auf jeden Fall.

Jetzt würden wir nochmal das Thema wechseln und nochmal auf das ganze Thema HR, Recruiting und Employer Branding schauen. Wir sind ja auch sehr aktiv im Employer Branding, zum einen bei uns selbst bei P78, beraten dahingehend aber auch unsere Kunden eifrig im Bereich Employer Branding, Karriereseiten, Recruiting und Co.

Deswegen interessiert uns natürlich auch immer brennend, wie Studentinnen wie ihr denn ursprünglich auf das duale Studium bei der Landeshauptstadt München aufmerksam geworden sind und dann noch auf die IT-Stellen gekommen sind. Und wie ihr euch dann im Endeffekt dafür entschieden habt, dort das duale Studium zu machen.

Sarah

Während meines Abis habe ich schon gemerkt, dass mir logisches Denken und Mathe wirklich gut liegen und dass mir strukturierte Problemlösungen besonders Spaß machen. Gleichzeitig hat mich die digitale Welt schon immer interessiert.

Für mich kam aber ein reines Studium deshalb nicht wirklich infrage, weil ich von Anfang an die Praxis erleben und sehen wollte, wie der Arbeitsalltag wirklich aussieht, statt erst nach drei Jahren zu merken, ob es überhaupt passt oder nicht.

Ich finde generell, dass es bei technischen Studiengängen und auch in der IT besonders wichtig ist, die Praxis gleich anwenden zu können. Ich setze hier dann auch immer gerne den Vergleich mit dem Führerschein. Also ich finde: Nur wenn man die Theorie schon hat, heißt das nicht, dass man die Praxis dann wirklich umsetzen kann, das ist immer nochmal ein bisschen schwerer.

Deswegen war es mir von Anfang an wichtig, dass ich, wenn ich die Theorie lerne, das auch gleich in der Praxis anwenden kann, damit ich es verständlicher habe und schon merken kann: Okay, ist das überhaupt eine Richtung, die ich nach dem Studium weiterverfolgen möchte? In der ich mich weiterhin entwickeln möchte? Oder ist es vielleicht doch nicht das Richtige? Das kann man im Laufe des Lebens immer wieder anschauen und nochmal neu für sich entscheiden.

Das duale Studium bei der Stadt München hat mich besonders angesprochen, weil es eben Theorie und Praxis verbindet, Verantwortung mit sich bringt und man direkt Berufserfahrung sammelt. Und außerdem bietet die Stadt München unglaublich viele verschiedene IT-Bereiche, was die Entscheidung dann nochmal sehr, sehr spannend gemacht hat.

Sabrina

Habt ihr denn einfach online recherchiert und seid dann auf die Stadt München mit der Karriereseite gekommen? Oder wie ist das gelaufen?

Leonita

Genau. Wir haben eigentlich über Freunde und Bekannte mitbekommen, dass die Stadt München Studiengänge anbietet. Demnach war es dann auch nicht schwer, über die Karriereseite auf die Stadt München zu stoßen.

Da wurden dann quasi ganze Studiengänge aufgelistet und man konnte sich frei durchklicken und schauen, was die Stadt anbietet, wie so ein Studium abläuft, welche Kriterien man beachten muss, welche Voraussetzungen man mitbringen müsste und auch einige attraktive Dinge, die die Stadt bietet.

Sabrina

Cool. Und so zum Thema Arbeitgebermarke, also wie sich die Stadt München nach außen präsentiert: Aus eurer Sicht, wie sichtbar ist da das Thema Frauen in der IT? Wird es da gepusht, nochmal separat bespielt oder müsste da vielleicht auch ganz allgemein von Unternehmen noch mehr gemacht werden?

Sarah

Also ich persönlich finde, das Thema Frauen in der IT sollte auf jeden Fall viel sichtbarer sein als bisher. Gerade für Mädchen ist es wichtig zu sehen, dass IT auch ihr Platz ist und dass sie dort gebraucht werden. Es braucht auf jeden Fall mehr weibliche Vorbilder, damit der Einstieg leichter fällt und auch Vorurteile abgebaut werden.

Und ich finde, dabei sollte das Thema eher ermutigend sein und nicht belehrend, also eher: Ihr könnt, statt: Ihr müsst.

Und für mich persönlich wäre es schön, wenn Frauen in der IT irgendwann einfach als selbstverständlich wahrgenommen werden und nicht als Ausnahme.

Jörg

Auf jeden Fall. Sabrina hat ja schon gesagt, wir beschäftigen uns auch mit Karriereseiten. Was müsste da so auf einer Karriereseite stehen? Was würde euch ansprechen? Also was müsste man da an Content platzieren, der euch irgendwie abholt und mit dem ihr etwas anfangen könnt, insbesondere als Frauen in der IT?

Sarah

Da kann ich auf jeden Fall über meine Erfahrungen sprechen oder über meine Wünsche. Für mich ist ein echter Einblick in den Arbeitsalltag auf jeden Fall wichtig, statt nur reinem Werbetext.

Zum Beispiel: Wie sieht ein normaler Arbeitsalltag aus? Wie läuft das Studium konkret ab? Wichtig wären für mich auch Informationen zu Entwicklungsmöglichkeiten nach dem Studium, zu flexiblen Arbeitszeiten. Dazu zählt zum Beispiel so etwas wie Homeoffice, die Arbeitszeitmodelle und die Kernzeiten.

Also wenn das alles irgendwie inhaltlich drinstehen würde, wäre das auf jeden Fall schon gut zu wissen. Und hilfreich finde ich außerdem auch Erfahrungsberichte von anderen Studierenden oder eventuell auch von Azubis, bei denen auch Frauen in der IT sichtbar werden.

Die Seite sollte einfach klar erklären, mit welchen Technologien man arbeitet und welche Abteilungen es gibt, ohne zu viele Fachbegriffe zu verwenden. Ich weiß ja selber: Wenn man sich nicht so gut auskennt mit dem ganzen Fachchinesisch, dann kommt man da vielleicht ein bisschen durcheinander.

Auf jeden Fall wäre mir auch ein moderner, übersichtlicher Aufbau und ein leichter Bewerbungsprozess wichtig und eventuell auch zum Beispiel Infos zum Onboarding.

Sabrina

Danke für den hilfreichen Input. Das ist, glaube ich, auch immer echt ganz wichtig, dass man da so ein bisschen die Vogelperspektive einnimmt und sich wirklich reinversetzt: Was will ein dualer Student oder eine duale Studentin tatsächlich wissen? Und was können sie auch verstehen, wie du es gerade gesagt hast? Dass man sich manchmal nicht zu sehr in Details verliert und so unverständlich wird.

Ja, aber unser Podcast neigt sich langsam schon dem Ende. Jetzt vielleicht noch eine schwierige Frage – oder schwierig ist die nicht, aber es ist eine Einschätzungsfrage von euch.

Ich stelle jetzt dir, Leonita, die Frage: Glaubst du denn, dass das Thema Frauen in der IT irgendwann ganz selbstverständlich wird?

Leonita

IT wird insgesamt immer vielfältiger und das merkt man auch jetzt schon. Wie gesagt, bei der Stadt gibt es zum Beispiel viele konkrete Angebote, um junge Frauen für die IT zu begeistern.

Wir bieten beispielsweise Schulbesuche mit Vorträgen über unsere Studiengänge an, besonders auch an Mädchenschulen. Wir selbst berichten da auch immer gern von unseren Erfahrungen. Auch wir haben bei diesen Schulbesuchen schon teilgenommen und unsere IT-Studiengänge vorgestellt. Und das kam eigentlich immer ganz gut bei den Mädels an.

Dann gibt es auch den Girls’ Day, der vom IT-Referat beziehungsweise von der IT-Ausbildung organisiert wird, damit Mädchen IT-Berufe in der Praxis kennenlernen können, und auch Schnupperpraktika, damit sie Einblicke in den Alltag bekommen dürfen.

Sarah und ich nehmen da auch immer gerne daran teil, freuen uns dann immer, mit kleinen, aber auch großen Mädels die IT zu entdecken und ihnen auch klarzumachen, dass IT auch für Mädchen ein Beruf ist.

Also ja, ich würde da wirklich in der Zukunft viel mehr Frauen in der IT sehen. Und ich denke, wenn wir das weiterhin so machen, können wir langfristig auf jeden Fall mehr Frauen und Mädchen für die IT begeistern und den Anteil Schritt für Schritt erhöhen. Dabei ist es vor allem wichtig, früh Interesse zu wecken, positive Vorbilder zu zeigen und offen über unsere Erfahrungen zu sprechen – also sowohl über die schönen Seiten als natürlich auch über die Herausforderungen.

Für mich persönlich gilt: Je sichtbarer Frauen in der IT werden, desto selbstverständlicher wird das Ganze. Und irgendwann ist es dann einfach keine Besonderheit mehr, sondern Normalität.

Sabrina

Absolut. Und cool auch, dass ihr euch da so engagiert für dieses Thema.

Zum Abschluss noch: Wenn ihr einen Rat an junge Frauen geben könntet, die über ein IT-Studium nachdenken, was wäre das für einer?

Sarah

Ich würde jungen Frauen auf jeden Fall erst mal sagen: Traut euch einfach. Auch wenn es vielleicht heute noch so ist – IT ist kein Männerbereich und Interesse zählt mehr als irgendwelche Klischees, die es heutzutage leider noch gibt.

Und man muss auch kein Mathe-Genie sein. Ich weiß, dass viele davor Angst haben, aber es wird wirklich alles erlernt. Man hat wirklich Zeit, Geduld, es wird alles mitgebracht und alles wird Schritt für Schritt erlernt.

Also man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, denn am Anfang verstehen alle vieles noch nicht. Und Fragen zu stellen ist völlig normal. Das musste ich auch erst lernen. Niemand startet als Expertin oder Experte. Wichtig ist, Dinge praktisch auszuprobieren und selbstbewusst zu bleiben und einfach auch irgendwo ein bisschen an sich zu glauben.

Sabrina

Danke, Leonita. Hast du noch einen Rat?

Leonita

Auf jeden Fall. Also wenn ich jungen Frauen, die über ein IT-Studium nachdenken, einen Rat geben könnte, dann wäre es vor allem: Lasst euch nicht abschrecken.

Wie Sarah gerade schon gesagt hat: Am Anfang versteht man sowieso vieles noch nicht und es ist eben völlig normal. Fragen zu stellen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern genau richtig.

Und ich würde auch sagen: Probiert das praktisch aus, bleibt selbstbewusst und redet eure eigenen Fähigkeiten nicht klein. Fehler gehören zum Lernen dazu und Vergleiche mit anderen bringen euch meistens auch nicht weiter. Viel hilfreicher ist es, sich mit anderen auszutauschen, verschiedene Perspektiven kennenzulernen und eben eigene Erfahrungen zu machen und zu sammeln.

Was ich außerdem wichtig finde: Geht offen ins Studium, denn Interessen können sich auch im Laufe der Zeit entwickeln. Und da IT extrem vielfältig ist – wie gesagt, es geht nicht nur ums Programmieren, sondern auch um Sicherheit, Daten, Systeme oder Beratung.

Mein wichtigster Punkt wäre noch: Wenn es dich interessiert, dann mach es einfach. Zweifel sind normal, aber sie sollten kein Grund sein, es nicht zu versuchen. Man wächst Schritt für Schritt hinein und genau das macht den Weg auch spannend.

Sabrina

Vielen, vielen, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt und dass ihr mit uns diese Folge aufgenommen habt.

Ich merke gerade, wir könnten wahrscheinlich noch eine halbe Stunde weiterreden, aber wir haben jetzt schon so viel Input von euch bekommen und freuen uns wirklich sehr, dass ihr so ehrlich und authentisch mit uns das Leben und den Alltag bei der Stadt München und auch euer duales Studium geteilt habt.

Dafür nochmal ein ganz großes Danke und wir wünschen euch jetzt ganz viel Erfolg weiterhin im Studium und natürlich auch bei der Arbeit.

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