HR/IT Talk Episode #52

Mit Low-Code/No-Code und SAP Build Prozesse im HR erfolgreich digitalisieren

Die Fortschritte in der Softwareentwicklung auf Basis von No-Code/Low-Code Plattformen ist mittlerweile so beachtlich, dass sie mit herkömmlicher, handcodierter Entwicklung mithalten können. Dies hat eine Reihe von Vorteilen: Nicht-technische Benutzer können jetzt aktiv an der Anwendungsentwicklung teilnehmen, Unternehmen können schneller auf sich ändernde Anforderungen reagieren und Ideen schneller in Prototypen und Anwendungen umsetzen. Dies hat natürlich auch die SAP erkannt und liefert mit der Produktfamilie SAP Build ein mächtiges Toolset – auch für den HR-Bereich.

In dieser ganz besonderen Episode von HR/IT Talk interviewt Sabrina Flach, Senior Marketing Manager bei p78, den p78 Geschäftsführer Michael Scheffler rund um die Themen SAP Build, LCNC und Citizen Developer.

 

Ergänzende Informationen zu dieser Episode:

 

Das Interview zum Nachlesen

 

Sabrina Flach

Wir möchten uns heute über SAP Build, der Low-Code-/No-Code-Lösung der SAP unterhalten und diskutieren inwiefern der HR-Bereich diese sinnvoll einsetzen und einen maximalen Mehrwert generieren kann. Vielleicht starten wir mal damit Michael: Was ist denn eigentlich Low-Code/No-Code?

 

Michael Scheffler:

Unter LCNC sind Lösungen zu verstehen, mit deren Hilfe Anwendungen bzw. Apps auch ohne Programmierkenntnisse erstellt werden können. Bei diesem Ansatz wird anders als bei der klassischen Softwareentwicklung anhand von visuelle Entwicklungstools, also per Drag-and-Drop gearbeitet, um Anwendungen schnell zusammenzustellen. LCNC Plattformen zielen also insbesondere darauf ab, den Entwicklungsprozess zu beschleunigen und die technische Barriere zu senken, sodass auch Personen mit weniger Programmierkenntnissen an der Entwicklung teilnehmen können. Wichtig hierbei zu wissen ist: LCNC ist keine Erfindung der SAP, d. h. es gibt eine ganze Reihe von Lösungen auf dem Markt, auch non-SAP. Und: LCNC ist unabhängig vom Personalwesen, d. h. dieser Ansatz kann für alle Geschäftsbereiche bzw. LoBs zum Einsatz kommen – und somit auch im HR.

Vielleicht dazu ein paar Zahlen & Fakten:

Mir liegen die Ergebnisse der Studie „No-code/Low-code 2023“ von CIO, CSO und COMPUTERWOCHE vor. Darin wird aufgeführt, dass 50 Prozent der befragten Unternehmen bereits Low-Code Plattformen einsetzen und 46 Prozent No-Code. Damit liegt LCNC fast gleichauf mit klassischen Entwicklungsplattformen (51%).

 

 

Effiziente Softwareentwicklung für Unternehmen mit LCNC-Lösungen: Minimierung von Entwicklungsaufwänden

Sabrina Flach:

Und warum sollte ein Unternehmen LCNC Lösungen einsetzen? Was sind Vorteile dieses Ansatzes?

 

Michael Scheffler:

Wie der Name schon erwarten lässt, wird bei der Low-Code Entwicklung noch immer eine gewisse Menge an handcodiertem Programmiercode verwendet, allerdings deutlich weniger als bei herkömmlicher Softwareentwicklung. Das reduziert die Entwicklungsaufwände natürlich schonmal deutlich. Bei No-Code hingegen wird der Bedarf an handcodiertem Programmiercode auf ein Minimum reduziert. Diese richtet sich an erster Linie an Personen, die keine oder nur geringe Programmierkenntnisse haben, wie beispielsweise Fachanwenderinnen und -Anwender – die sog. Citizen Developer.  Low-Code/ No Code setzt also verborgene Arbeitskräfte in Unternehmen frei und reduziert Entwicklungsaufwände! In Zeiten von begrenzten Ressourcen und dem Fachkräftemangel kann das ein großer Vorteil sein!

 

Citizen Developer - Business-Experten ohne Programmierkenntnisse durch Low-Code/No-Code-Tools befähigt

Sabrina Flach:

Du hast jetzt eben den Begriff Citizen Developer verwendet. Was genau ist denn hiermit gemeint?

 

Michael Scheffler:

Als Citizen Developer werden Business-Expertinnen und -Experten bezeichnet, die mittels Low-Code/No-Code-Tools dazu befähig werden, moderne Geschäftsanwendungen bzw. Apps sowie Automatisierungen OHNE Programmierkenntnisse zu realisieren. Citizen Developer könnten also IT-affine Poweruser oder Key-user im HR sein, die entsprechend befähigt werden. Dem gegenüber stehen nach wie vor die Professionellen Entwickler oder Pro Coder, die auf klassische Entwicklertools zurückgreifen wie etwas das SAP Business Application Studio. Die wird es selbstverständlich auch noch in Zukunft benötigen – LCNC hin oder her. Eine Kombination von Citizen Developers und Professionellen Entwickler nennt man übrigens Fusion Teams.

 

Vor- und Nachteile von LCNC

Sabrina Flach:

Fallen dir noch weitere Vorteile ein, die für den Einsatz von No-Code/Low-Code Lösungen sprechen?

 

Michael Scheffler:

Ich möchte nochmals auf die vorhin erwähnte Studie „No-code/Low-code 2023“ zurückkommen. Die befragten Studienteilnehmer wurden gefragt, warum LCNC Plattformen eingesetzt werden. Die Top-5 der wichtigsten genannten Gründe waren: Schnellere Lösungen, effizientere Prozesse, Niedrigere Kosten, Anwendungsentwicklungen für Nicht-Entwickler ("Citizen Developer"), bessere Usability und Lösungen enger am Business.

 

Sabrina Flach:

Und siehst Du auch Nachteile die mit LCNC einhergehen?

 

Michael Scheffler:

Ja die gibt es natürlich auch! Wie z.B. die IT Security, die Herausbildung von Schatten IT, ein unkoorifiniertes Vorgehen, der hohe Wartungsaufwand und zu guter letzt der Datenschutz.

 

LCNC im SAP-Umfeld - Anwendungsmöglichkeiten und Lösungen der SAP Build Produktfamilie

Sabrina Flach:

Wie genau lässt sich nun LCNC im SAP-Umfeld konkret nutzen?

 

Michael Scheffler:

Im SAP Universum bietet sich hierzu der Einsatz der Produktfamilie SAP Build an, die im Kern auf der SAP Business Technology Patform (BTP) basiert. Die SAP hat also ein „Paket“ von bereits vorhandenen Services der BTP mit neuen Funktionen geschnürt. Unter SAP Build subsumiert die SAP die Lösungen:

  1. SAP Build Apps
  2. SAP Build Process Automation
  3. SAP Build Work Zone

Alle drei Lösungen wurden vor einiger Zeit einem Rebranding unterzogen und unter neuem Namen zusammengefasst. Ein Beispiel ist etwa SAP Build Apps, was bisher unter dem Namen SAP AppGyver firmierte. Übrigens hat SAP Build nichts mehr mit der bisherigen Mockup und Prototyping Lösung SAP Build.Me zu tun, die der eine oder andere vielleicht noch kennt. Diese wurde nun in SAP Build Classic umbenannt und ist obsolet, sprich wird nicht mehr von der SAP weiterverfolgt werden.

 

Sabrina Flach:

Und wozu nutzt nun welche der Lösungen?

  1. SAP Build Apps
    • Erstellung von Apps bzw. gänzlich neuen Anwendungen die auch mobil eingesetzt werden können
  2. SAP Build Process Automation
    • Prozessdigitalisierung und Automatisierung
  3. SAP Build Work Zone
    • Erstellung von Business-Sites bzw. Geschäftsseiten

 

Konkreter Anwendungsfall: Automatisierung von Vertragsangeboten im Recruiting mit SAP Build Process Automation

Sabrina Flach:

Das klingt alles sehr spannend, aber noch etwas abstrakt! Hast du vielleicht einen konkreten Anwendungsfall für das Personalwesen?

Michael Scheffler:

Da gibt es eine Menge!! Vielleicht mal ein Beispiel für den Einsatz von SAP Build Process Automation, also die Prozessdigitalisierung und Automatisierung. Hier gibt es einen schönen Use-Case für das Recruiting Umfeld bzw. dem SAP SuccessFactors Recruiting: Eine große Herausforderung für Recruiter kann in der Praxis die manuelle Erstellung Vertragsangeboten z. B. mittels Microsoft Word und dem entsprechenden Versand per E-Mail sein. Ein Task, der sich nahezu vollständig automatisieren lässt! Die SAP verspricht hier eine Reduktion der benötigen Arbeitszeit von bis zu 80% und eine 15x schnelle Bearbeitungszeit. Möglich wird dies auch durch den Einsatz von RPA, also Robotic Process Automation. Dieses konkrete Beispiel ist übrigens als SAP Mission im SAP Discovery Center verfügbar. Missionen beinhalten Best Practices und Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die Implementierung dieses konkreten Anwendungsfalls. Also eine super Möglichkeit sich mit dem Thema vertraut zu machen und sich fallbezogen in die Materie einzuarbeiten.

 SAP Build Process Automation Use Case: Automate offer letter distribution in SAP SuccessFactors Recruiting

Weitere Anwendungsfälle gibt es viele. Mir liegt eine SAP Process automation Heat Map vor, in der anhand vom Employee Lifecycle analysiert wurde wo Digitalisierungs- und Automatisierungspotentiale schlummern. Hier werden etwa das Recruitment, das Onboarding aber auch das Time Data Recording oder das Payroll Processing mit hohem Bedarf aufgeführt. Mit mittleren Bereich gibt es auch viele wie z. B. Terminations, Learning Management oder Position Management.

 

Sabrina Flach:

Das klingt tatsächlich super praktisch und relevant für unsere Community. Du hast gerade den Einsatz von RPA Robotic Process Automation was genau ist das denn nun wieder?

 

Michael Scheffler:

Robotic Process Automation (RPA) bezieht sich auf die Anwendung von Software-Robotern oder sogenannten "Bots", um wiederholbare Geschäftsprozesse zu automatisieren. Diese Software-Roboter sind darauf programmiert, menschenähnliche Aktivitäten auszuführen, indem sie Benutzerschnittstellen manipulieren, Daten verarbeiten und mit anderen Systemen interagieren. Der Fokus liegt dabei auf der Automatisierung von regelbasierten, strukturierten Aufgaben. RPA ist ein Teilbereits den die SAP Process Automation leisten kann. RPA ist übrigens keine künstliche Intelligenz (KI) im eigentlichen Sinne ist, obwohl RPA-Systeme manchmal mit KI-Elementen kombiniert werden können, um noch komplexere Aufgaben zu automatisieren.

 

SAP Build Work Zone: Ein modernes Mitarbeitendenportal für einen effizienten Digital Workplace

Sabrina Flach:

Wir waren ja gerade bei konkreten Use Cases. Hast Du vielleicht auch noch Beispiele für die Lösung SAP Build Work Zone?

 

Michael Scheffler:

Mit Blick auf SAP Build Work Zone, ist hier natürlich die Bereitstellung eines modernen Mitarbeitendenportals ein sehr mächtiger Use Case. Inbesondere unter Zuhilfenahme von SAP SuccessFactors Work Zone, einem um HXM Inhalte angereichte Version der sog. Advanced Edition, also der Maximalausprägung der Lösung.  Hiermit wird es dann möglich, EINEN zentralen Einstiegspunkt, den sog. „Digital Workplace“ für die Mitarbeitenden bereitzustellen und somit einen einfachen und effizientem Zugriff auf relevante Anwendungen – SAP und Non-SAP – zu ermöglichen. Und das natürlich rollenspezifisch, also Führungskräfte erhalten beispielsweise Zugriff auf MSS-Funktionen und die Apps bzw. Applikationen, die für sie relevant sind. Ein Mobiler Zugriff über eine Native App auf Smartphone ist auch gegeben.

 

Sabrina Flach:

Haben wir hier auch bereits Erfahrungswerte aus Kundenprojekten?

 

Michael Scheffler:

Ja tatsächlich, wir bauen die SAP SuccessFactors Workzone auch gerade für unseren Kunden Piller Blowers & Compressors. Hier haben wir die Piller Work Zone als modernen, zentralen Einstiegspunkt für einen digitalen Arbeitsplatz weltweit eingeführt. Diese fortschrittliche Lösung integriert verschiedene SAP-Anwendungen, darunter SAP Task Center und SAP Analytics Cloud, in Verbindung mit der DataSphere.

Das Ergebnis ist ein vollständiger, digitaler Arbeitsplatz, der über eine einzige Plattform zugänglich ist. Dieser zentrale Einstiegspunkt steht allen Mitarbeitenden zur Verfügung, einschließlich der sogenannten Blue Collar Worker, die keinen individuellen Büroarbeitsplatz mit Desktop haben. Zukünftig können sie über mobile Endgeräte bequem auf diese innovative Lösung zugreifen. Wir haben das Projekt und Ergebnis auch auf dem letzten BTP4HR Workshop vorgestellt - die Aufzeichnung davon haben wir Euch auch in den Shownotes verlinkt (SAP BTP4HR Workshop #11 “SAP SuccessFactors Work Zone bei Piller Blowers & Compressors”).

 

Ein Ausblick auf die Zukunft mit SAP Build Code und generativer KI-basierter Code-Entwicklung

Sabrina Flach:

Kannst Du uns noch einen Ausblick geben? Wie geht es weiter mit SAP Build?

 

Michael Scheffler:

Es tut sich unglaublich viel im Bereich SAP Build, daher kann ich generell gesprochen den Whats New Viewer empfehlen, um auf dem laufenden zu bleiben und neue Features zu entdecken. Auch der
SAP Road Map Explorer unterstützt dabei. Die spannendste Entwicklung in diesem Umfeld ist derzeit aber definitiv SAP Build Code. Mit SAP Build Code bezeichnet die SAP die generative KI-basierte Code-Entwicklung anhand von Joule Copilot und zwar optimiert für die Entwicklung von Java- und JavaScript-Anwendungen. UI, Mobile und Fullstack Applikationen. SAP Build Code fügt sich nahtlos in die SAP Build Lobby ein, also die Entwicklungsumgebung von SAP Build.

Ich kenn hier zwar bisher nur lediglich Produktdemos und Marketing-Material, aber das ist sehr beeindruckend! Wie man das von OpenAI bzw. ChatGPT kennt, wird unter Einsatz von Prompts und einer verbalen Beschreibungen der entsprechende Code und die Anwendungslogik generiert. Auch können mit Joule copilot Beispieldaten, die zu Anwendungen passen erzeugt werden um schnelle Unit-Tests durchzuführen, was natürlich die Qualität erhöhen dürfte.

 

Sabrina Flach:

Vielen Dank Michael für den ganzen spannenden Input und auch dafür, dass ich dich hier interviewen durfte. Ich hab mich gerfreut hier dabei sein zu dürfen.

Michael Scheffler auf blauem Potcast Cover
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